Informationen zur Händigkeit

Entstehung und Entwicklung der Händigkeit:

Zunächst einmal geht es darum den Begriff der „Händigkeit“ zu verstehen -  ihn fachlich zu definieren und anschließend zu erklären. Erst dann kann geschildert werden wie sich die Linkshändigkeit über die Lebensspanne entwickelt.

 

Fachliche Definition:

Die Händigkeit wird als das verstanden, was beim Menschen unmittelbar zu sehen ist, nämlich die bevorzugte Nutzung einer Hand.  

Streng genommen ist sie aber weitaus mehr: Die Händigkeit ist Ausdruck der motorischen Dominanz einer Seite des menschlichen Gehirns.

Bei Linkshändern sind in der rechten Hirnhälfte die motorischen Areale dominant und beim Rechtshänder die in der linken Hirnhälfte (Sattler, 2003).

Entwicklung der Händigkeit:

Um die dominante Seite ausfindig machen zu können, muss zurück zum Ursprung der Entwicklung gegangen werden. Bereits zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr beginnt ein Kind eine Hand häufiger zu benutzen wie die andere. Diese Bevorzugung steigt bis in das dritte Lebensjahr auf über 90% an. Jene wurde bereits im Mutterleib angelegt. Die Entwicklung der Händigkeit hängt mit dem kindlichen Entwicklungsalter zusammen und braucht je nach Entwicklungsstand des Einzelnen mehr oder weniger Zeit zur Entfaltung.

Beobachtung der Händigkeit im Alltag:

Die Überlegenheit einer Hand in Geschicklichkeit, Kraft und Ausdauer zeigt sich bei vielen Kindern schon recht früh bei den ersten Greifbewegungen beim Zähneputzen, Essen oder Malen.

  • Bevorzugt das Kind die rechte Hand, wird das in unserer Gesellschaft als normal angesehen.
  • Bevorzugt das Kind die linke Hand, tauchen Fragen auf.
  • Wechselt es gar den Handgebrauch, entstehen Unsicherheiten.

Es ist bekannt, dass es heutzutage in der Schule nicht mehr üblich ist, linkshändigen Kindern das Schreiben mit der rechten Hand beizubringen.

Oft kommt es aber gerade bei aufgeweckten Kindern durch Nachahmung von Familienmitgliedern und Freunden zur Umschulung auf die nicht dominante Hand.

ABER:

Aussagekräftige Beobachtungen der Handdominanz können nur dann getroffen werden, wenn der/die Beobachter/in dem Kind gegenüber sitzt oder steht.

Beobachten Sie einen wechselnden Handgebrauch:

Sogenannte Beidhänder gibt es nach Dr. J.B. Sattler in der Regel nicht. Sie sind meist umgeschulte Linkshänder. Mit Links werden viele Tätigkeiten spontan ausgeführt, aber zum Schreiben, oft auch zum Essen oder zum Werfen wird die rechte Hand benutzt (Sattler, 2003).

In meiner täglichen Arbeit als Kinderphysiotherapeutin stelle ich immer wieder fest, wie eng verknüpft ein wechselnder Handgebrauch mit anderen Auffälligkeiten sein kann.

So kann beispielsweise eine Kopfschiefhaltung im Säuglingsalter oder eine Fehlhaltung der Wirbelsäule den Gebrauch der nicht-dominanten Hand nach sich ziehen.

Rückschulung:

Die Zurückführung bzw. Rückschulung auf die dominante Hand ist aus verschiedenen Gründen oft nicht möglich und nicht sinnvoll. Dennoch kann ich dem Kind durch gezielte Übungen aus der Kinderphysiotherapie weiterhelfen.